Stromnetz braucht Innovationen
Anfang Juli 2010 fand der von der Bundesnetzagentur veranstaltete Workshop „Technologieoptionen zur Deckung des Kapazitätsbedarfs in den Übertragungsnetzen“ statt. Etwa 90 Vertreter von Bürgerinitiativen, Behörden, Industrie, Netzbetrieb und Wissenschaft diskutierten hauptsächlich über die Kosten und Möglichkeiten zum Einsatz von Hochspannungsgleichstrom- übertragung und Hochtemperaturleiterseilen.
Noch kein Ersatz für alte Technologie
In den kommenden Jahren wird sich die Menge an Strom aus erneuerbaren Energien deutlich erhöhen und stellt die Stromwirtschaft schon jetzt vor große Herausforderungen. „Wir brauchen innovative Lösungen beim Netzausbau“, sagte Matthias Kurth (Präsident der Bundesnetzagentur). Die neu entwickelten Übertragungstechnologien können die bisher genutzten Stromnetze lediglich unterstützen, aber ersetzen können sie diese bislang nicht.
Die bedeutendsten Resultate des Workshops fasste Kurth folgendermaßen zusammen: „Das politische Ziel der Entwicklung einer CO2-armen bzw. -freien Stromerzeugung nach 2015 erfordert einen bedarfsgerechten Netzum- bzw. ausbau. Im Rahmen unserer Veranstaltung sah keiner der Vertreter aus Wissenschaft und Industrie eine realistische Alternative zu den 24 im Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) enthaltenen Ausbauvorhaben. Darüber hinaus ist die Herausforderung, ab 2020 weitere ca. 12 GW Strom aus erneuerbaren Energien von Nord- nach Süddeutschland transportieren zu müssen, nach Ansicht der Experten mit keiner der heute eingesetzten Technologien allein zu meistern“.
Praxistests geplant
Insbesondere für den Transport von Strom aus Offshore-Windanlagen können die Entwicklung und der Bau eines Drehstromnetzes in der Frequenz des Bahnstromnetzes von Bedeutung sein, so die Experten.
Gemeinsam mit den Marktteilnehmern ist die Bundesnetzagentur bestrebt, den Ausbau des Stromnetzes voranzutreiben und die Akzeptanz in der Bevölkerung zu stärken. Unter der Voraussetzung, dass die Projekte bezahlbar sind und die Netzsicherheit nicht gefährden, sollen die neuen Technologien in der Praxis getestet werden.